Bewerbung muss ernsthaft sein

Die für einen Entschädigungsanspruch notwendige subjektive Ernsthaftigkeit einer Bewerbung liegt dann nicht vor, wenn der Bewerber überzogene Gehaltsvorstellungen äußert oder erkennbar wesentliche Angaben unterlässt. (Leitsatz des Bearbeiters) (mehr …)

Ein männlicher Bewerber hatte sich auf eine Stelle beworben, die mit einer „Chefsekretärin/Assistentin“ zu besetzen gewesen war. Bei der Besetzung wurde er nicht berücksichtigt. Da die Stelle nicht geschlechtsneutral ausgeschrieben war, machte der gescheiterte männliche Bewerber eine Schadenersatzforderung in Höhe von 3 Monatsgehältern geltend. Das Landesarbeitsgericht Berlin wies seine Klage jedoch ab. Nach Auffassung der Berliner Richter sei Voraussetzung eines Entschädigungsanspruches nach § 611 a BGB, dass der Bewerber sich subjektiv ernsthaft beworben habe und objektiv für die zu besetzende Stelle in Betracht komme. Für die subjektive Ernsthaftigkeit der Bewerbung spreche es, wenn der Bewerber alles tue, um ein gutes Bild von seiner Person zu hinterlassen. Mache der Bewerber in seiner Bewerbung zu einer als wesentlich erkennbaren Einstellungsvoraussetzung gar keine Angaben oder äußere er in seiner Bewerbung beispielsweise eine weit überzogene Vergütungsvorstellung, könne grundsätzlich nicht von einer subjektiv ernsthaften Bewerbung ausgegangen werden. Nach Auffassung des LAG Berlin handelte es sich im entschiedenen Fall nicht um eine ernsthafte Bewerbung, da Indizien vorlagen, die auf das Fehlen der subjektiven Ernsthaftigkeit schließen ließen. Die Voraussetzungen eines Entschädigungsanspruches wegen geschlechtsbezogener Diskriminierung lagen somit nicht vor.

LAG Berlin, Urteil vom 30.03.2006 – Az.: 10 Sa 2395/05

(erschienen in Berliner Anwaltsblatt Heft 9/2006)

(erschienen in Berliner Anwaltsblatt Heft 9/2006)

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