Stellenausschreibung für Volljuristen: Engagiert ja, jung nein!

Eine Stellenausschreibung verstößt grundsätzlich gegen das Altersdiskriminierungsverbot, wenn ein „junger“ Bewerber gesucht wird. (mehr …)

Die Rechtsabteilung eines Unternehmens suchte im Jahr 2007 „eine(n) junge(n) engagierte(n) Volljuristin/Volljuristen“. Ein Volljurist, offensichtlich von seiner Jugend und seinem Engagement überzeugt, bewarb sich auf die Stelle. Er war zu dem Zeitpunkt 50 Jahre alt. Das Unternehmen sagte ihm allerdings ab, ohne dass er zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen war. Die Stelle bekam eine Juristin im zarten Alter von 33 Jahren. Der unberücksichtigte Volljurist klagte gegen das Unternehmen wegen einer unzulässigen Benachteiligung aufgrund seines Alters. Mit seiner Klage wollte er eine Entschädigung in Höhe von 25.000,00 Euro und Schadensersatz in Höhe eines Jahresgehalts erstreiten.

Das Arbeitsgericht sprach ihm lediglich eine Entschädigung in Höhe eines Monatsgehalts zu und wies die Klage im Übrigen ab. Sowohl die Berufung des Klägers als auch die Anschlussberufung der Beklagten scheiterten.

Das Bundesarbeitsgericht bestätigte nun die Entscheidungen der Vorinstanzen. Die Stellenausschreibung der Beklagten verstieß gegen § 11 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG), der verbietet, dass eine Stelle unter Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot des § 7 AGG ausgeschrieben wird. Danach sind Stellen unter anderem „altersneutral“ auszuschreiben, wenn kein Rechtfertigungsgrund i.S.d. § 10 AGG für eine unterschiedliche Behandlung wegen des Alters vorliegt. Die unzulässige Stellenausschreibung stelle ein Indiz dafür dar, dass der Kläger wegen seines Alters nicht eingestellt worden ist. Da die Beklagte nicht darlegen konnte, dass kein Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot vorgelegen hat, stehe dem Kläger ein Entschädigungsanspruch zu.

Dessen Höhe hat das Landesarbeitsgericht in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise festgesetzt. Da der Kläger nicht dargelegt und bewiesen hat, dass er bei einer diskriminierungsfreien Auswahl von der Beklagten eingestellt worden wäre, steht ihm der geltend gemachte Schadensersatzanspruch in Höhe eines Jahresgehalts nicht zu.

BAG, Urteil vom 19.08.2010 – Az.: 8 AZR 530/09

BAG, Urteil vom 19.08.2010 – Az.: 8 AZR 530/09

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