Der Schrei – ist kein Arbeitsunfall

Eine Erzieherin, die einen Tinitus darauf zurückführt, dass ihr ein Kind ins Ohr geschrien habe, hat keinen Anspruch auf Entschädigungsleistungen der gesetzlichen Unfallversicherung.
(mehr …)

Eine Erzieherin aus dem nordrhein-westfälischen Hamm hatte offenbar nicht mit der Schreigewalt eines ihr anvertrauten Kindes gerechnet. Im Rahmen ihrer Tätigkeit in einem heilpädagogischen Kinderheim habe ihr ein Kind so laut in ihr Ohr geschrien, dass sie dadurch einen Tinitus erlitten habe. Sie wollte daraufhin von der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen die Kosten für die Versorgung mit einem Tinnitusmasker (ein Gerät zur Tinnitus-Therapie, das wie ein Hörgerät getragen wird und Ohrgeräusche überlagert) erstattet haben. Schließlich handele es sich hier um einen Arbeitsunfall, so die Erzieherin. Die Unfallkasse lehnte ab. Zur Begründung führte die Behörde an, durch menschliche Schreie erreichte Schallpegel selbst aus unmittelbarer Nähe des Ohres seien nicht geeignet, dauerhafte Hörstörungen oder ein bleibendes Ohrgeräusch zu verursachen.

Sozialgericht lehnt Kostenübernahme ab

Das daraufhin von der Erzieherin angerufene Sozialgericht Dortmund wies die Klage auf Kostenübernahme ab. Es könne nicht festgestellt werden, dass die Erzieherin aufgrund des „Schrei-Ereignisses“ einen Tinnitusmasker benötige. In der medizinischen Wissenschaft sei anerkannt, dass es selbst bei durch menschliche Schreie erreichbaren Spitzenschallpegeln von mehr als 130 dB allein zu Mini-Lärmtraumata kommen könne, die mit vorübergehenden bzw. ganz geringen Hörminderungen einhergingen. Bleibende Hörschäden seien demnach bei vorübergehenden Vertäubungen nicht zu erwarten, erst recht nicht ein Tinnitus.

SG Dortmund, Urteil vom 22.01.2018 – Az.: S 17 U 1041/16

SG Dortmund, Urteil vom 22.01.2018 – Az.: S 17 U 1041/16

-->

Bislang keine Kommentare.

Hinterlasse einen Kommentar