Verkehrsunfall: Autofahrer muss mit Disziplinlosigkeit von Radfahrern rechnen

Im Rahmen eines Verkehrsunfalls muss ein Autofahrer auch dann (mit-)haften, wenn er mit einem Radfahrer kollidiert, der auf dem Radweg in falscher Richtung unterwegs ist und der Autofahrer deshalb nicht mit dem Radfahrer rechnete. Wegen der allgemein bekannten Disziplinlosigkeit von Radfahrern habe sich der Autofahrer auf solche Vorkommnisse einzustellen. (mehr …)

Eine Radfahrerin war auf dem Radweg einer Vorfahrtsstraße unterwegs, allerdings in falscher Richtung. Ein Autofahrer übersah die Radfahrerin, da er nicht mit falsch fahrenden Radlern rechnete. Die Zweiradführerin stürzte daraufhin und brach sich den Fuß. Das OLG Celle entschied, dass die Unfallbeteiligten je zur Hälfte für die Schäden haften. Die Haftung der Radfahrerin ergebe sich durch ihren Verstoß gegen § 2 Abs. 4 S. 2 StVO, denn ein solcher liege beim Fahren auf dem Radweg in falscher Richtung vor. Aufgrund der Tatsache, dass sie sich einer Einmündung näherte, hätte sie ihre Geschwindigkeit so verringern müssen, dass sie sofort hätte anhalten können. Das hätte nach den Feststellungen des Sachverständigen einen Unfall vermieden.

Andererseits hätte der Autofahrer der Radfahrerin die Vorfahrt gewähren müssen. Denn die Pflicht zur Vorfahrtsgewährung bestehe auch dann, wenn der Radfahrer den falschen Radweg benutzt. Wegen der allgemein anerkannten Disziplinlosigkeit von Radfahrern habe sich der Autofahrer auf eine solche Situation einzustellen und müsse auch schauen, ob aus der unerwarteten – weil falschen – Richtung kein Radfahrer komme.

Darüber hinaus müsse sich der Autofahrer die Betriebsgefahr seines PKW anrechnen lassen. Bei einem Radfahrer bestehe eine solche grundsätzlich nicht.

OLG Celle, Urteil vom 28.04.2010 – Az.: 14 U 157/09
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OLG Celle, Urteil vom 28.04.2010 – Az.: 14 U 157/09
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